"Ich habe mir extrem viel abgeschaut" - Interview mit Goalie Jonas Neffin

Veröffentlicht am
14.3.26

Der Torhüter und Spieler der Saison im Gespräch

In seinem dritten Jahr bei Eishockey-Zweitligist Eisbären Regensburg hat sich Torhüter Jonas Neffin zur klaren Nummer eins entwickelt – mit einer Fangquote von fast 93 Prozent, einem Gegentorschnitt von lediglich 2,29 und schier unglaublichen sechs Shutouts in seinen 43 Einsätzen in der Hauptrunde sicherte er sich nicht nur diverse Auszeichnungen zum „Spieler des Monats“ und „Torhüter des Monats“ sondern wurde jüngst bei der großen DEL-2-Gala auch zum besten Goalie und besten Spieler der Saison geehrt. Wir haben mit dem 25-jährigen gebürtigen Iserlohner gesprochen…

Jonas, bei der Ehrungsgala der DEL 2 hast du unter der Woche gleich doppelt abgeräumt. Erst gab’s die Auszeichnung zum Torhüter des Jahres – aber besonders dass du auch Spieler des Jahres wurdest, kam für dich unerwartet, als plötzlich dein langjähriger bester Freund die Laudatio auf der Bühne gehalten hat. Wie war das für dich?
Jonas Neffin: Ich war sehr überrascht, damit hatte ich eigentlich überhaupt nicht gerechnet. Krefeld hat ja eine unglaubliche Saison gespielt – ich dachte, einer von ihnen wird Spieler der Saison, bin ich davon wirklich nicht ausgegangen. Aber es war ein tolles Gefühl, es hat den Abend – und irgendwie auch die ganze Hauptrunde – schön abgerundet. Ich bin unglaublich froh darüber und sehr stolz. Das war einfach super.

Deine Familie hat dir zur Ehrung eine Grußbotschaft geschickt und dein bester Freund hat in seiner Rede eine kleine Anekdote erzählt: Deine Mutter war anfangs strikt dagegen, dass du Torhüter wirst…
Neffin: Ja, das stimmt wirklich, sie war überhaupt nicht begeistert (lacht) – aber zum Glück war ich sehr stur und hab mich durchgesetzt. Da habe ich glaub‘ ganz schön gequengelt. Meine Familie und Freunde haben sich sehr mit mir und für mich gefreut über diese Ehrungen und sind stolz auf mich. Ich bin ihnen unglaublich dankbar für ihre Unterstützung: Sie waren immer dabei, haben all die Jahre die Routinen mitgemacht, waren immer für mich da, haben immer an mich geglaubt. Umso mehr hat es mich gefreut, dass diese Auszeichnungen auch sie jetzt so glücklich gemacht haben.

Du bist unter den Torhütern in der DEL 2 diese Saison das Maß aller Dinge. Was war aus deiner Sicht ausschlaggebend, dass du noch einmal so einen Schritt gemacht hast?
Neffin: Das war das Vertrauen, dass ich hier in Regensburg geschenkt bekommen habe. Damit konnte ich mir selbst noch mehr Ruhe geben, konnte viel mehr von Tag zu Tag und von Spiel zu Spiel schauen, musste mir weniger Gedanken um das „große Ganze“ machen – sondern konnte mich auf mich und mein Spiel, auf das Hier und Jetzt fokussieren. Das hat mir schon sehr geholfen. Aber auch der ganze Trainerstab – Joey Vollmer, Peter Flache und Hugo Boisvert mit ihrem System – da hatten am Ende sehr viele ihren Einfluss darauf.

Auch die Eisbären sind dieses Jahr wieder sicherer unterwegs, statt Play-downs gab es am Ende der Regulären Saison Tabellenplatz sechs und damit die direkte Qualifikation für die Play-offs…?
Neffin: Diese Saison sind wir ein sehr rundes Team. Wir haben für jede Rolle unsere Spieler und sie nehmen die auch alle gut an. Das Mannschaftsgefüge stimmt. Wir hatten auch nie wirklich große Verletzungs- oder Krankheitssorgen, sind nie in einen richtigen Negativstrudel geraten, hatten in vielen Spielen auch nicht so viel Pech wie letzte Saison. Und es gab natürlich auch keinen Trainerwechsel – das alles hat diese Saison runder und einfacher gemacht: Es gab keine Panik, wir konnten uns viel mehr fokussieren und öfter unsere besten Leistungen abrufen. Das ist aber generell ein riesiger Vorteil hier in Regensburg, der mir auch persönlich enorm geholfen hat: Hier verfallen die Verantwortlichen nicht so schnell in Panik. Das ist für uns Spieler sehr angenehm, wenn wir nicht ständig Angst vor der nächsten großen Ansage oder dem nächsten Krisengespräch haben müssen und dir nicht direkt die nächste Top-Nachverpflichtung vor die Nase gesetzt wird, wenn du mal einen schlechten Tag hast. Das hilft enorm und gibt Selbstvertrauen.

Es ist dein drittes Jahr in Regensburg und mit Goalie-Coach Joey Vollmer. Welchen Anteil hat er an deiner Entwicklung und dem Regensburger Erfolg..?
Neffin: Er spielt da eine sehr, sehr große Rolle. Joey hat mir auf beiden Seiten, on- und off-ice, unglaublich weitergeholfen. Er hat mir mental auch viel beigebracht, wie ich Dinge angehe, wie ich fokussiert bleibe, wie ich mit Erfolgen und Misserfolgen umgehe – ob das Trainingseinheiten sind, schlechte oder gute Spiele. Er hat mir in sehr vielen Punkten geholfen und mich weiterentwickelt und verbessert.

Bei den Eisbären hast du im ersten Jahr die Meisterschaft geholt und hast das Torhütergespann mit Tom McCollum gebildet, der NHL-Erfahrung hatte – im zweiten Jahr bestand das Duo aus dir und Eetu Laurikainen, einem ehemaligen finnischen Nationalkeeper. Inwieweit hast du von ihrer Erfahrung profitiert und hast du da immer versucht, dir auch etwas von ihnen abzuschauen?
Neffin: Ich habe mir da extrem viel abgeschaut, gerade weil ich eben wusste, dass die beiden sehr viel Erfahrung auf höchstem Niveau haben. Das waren auch exzellente Torhüter und tolle Menschen – da kannst du als junger Goalie sehr viel lernen und ihre Ruhe hat mir immer sehr geholfen.

Die beiden Auszeichnungen auf der DEL-2-Gala waren ja nicht deine ersten in dieser Saison, du bist in aller Munde, es gibt Berichte und Spekulationen, du wirst regelmäßig interviewt – plötzlich liegt ein riesiger öffentlicher Fokus auf dir. Setzt dich das auch unter Druck und wie gehst du mit dieser Aufmerksamkeit um?
Neffin: Das ist natürlich neu für mich, jetzt ständig so im Rampenlicht zu stehen. Ich habe mich aber schon von Saisonbeginn an dazu gezwungen, dieses Drumherum ein bisschen auszublenden und immer nur von Spiel zu Spiel zu schauen, fokussiert zu bleiben – auch wenn das nicht immer so einfach ist. Aber irgendwie ist es ja auch was Schönes, eine große Ehre und eine Wertschätzung. Es ist toll, dass die Leistungen honoriert werden und das kann man für die Psyche und das Selbstvertrauen schon Mal mitnehmen. Aber natürlich musst du auch immer aufpassen, dass es für den Kopf nicht zu viel wird. Da möchte ich mich aber auch unbedingt noch bei unseren Fans bedanken, dass sie mich und das Team die ganze Saison so stark unterstützt haben. Der Support hier ist wirklich unglaublich und nicht selbstverständlich. Jetzt können wir uns zusammen auf die Play-offs freuen…

Dadurch, dass ihr die Pre-Play-offs vermieden habt, hattet ihr jetzt eine Woche Zeit für Training, Fokus und Regeneration. Wie gut tut das nach 52 intensiven Hauptrundenspielen?
Neffin: Es war unser großes Ziel, da in die Top-Sechs zu kommen und dafür haben wir auch lange und hart gearbeitet. Es wäre extrem ärgerlich gewesen, wenn wir das an den letzten Spieltagen noch abgegeben hätten. Aber wir haben alles reingeworfen und es geschafft. Die kleine Pause tut uns jetzt wirklich sehr gut – für mich persönlich war die Gala natürlich nochmal zusätzlich schön. Aber jetzt auch zwei, drei Tage eine Auszeit zu haben, den Kopf frei zu bekommen, ist wichtig: So können wir dann frisch in die Play-offs starten.

Es geht im Viertelfinale („Best of Seven“) gegen den Derby-Rivalen Rosenheim. Gegen die Starbulls habt ihr mit vier Siegen in der Hauptrunde eine starke Bilanz, du persönlich hast gegen sie sogar zwei Mal die Null festgehalten – aber die Spiele waren letztlich doch alle sehr eng…?
Neffin: Rosenheim ist ein absolutes Topteam und jedem von uns ist klar, dass die vier Hauptrundensiege da jetzt nicht mehr viel bedeuten. Natürlich geben die uns ein gutes Gefühl und wir wissen was wir können. Aber wir müssen uns trotzdem akribisch vorbereiten, denn die werden das auch tun. Diese Duelle werden jetzt noch mal härter, schneller und intensiver. Wir müssen einfach weiter an uns glauben und unser Spiel durchziehen. Dann haben wir alle Chancen und werden sehen, wo die Reise hingeht…

Was sind die Stärken von Rosenheim?
Neffin: Die sind eigentlich ähnlich wie bei uns. Die Starbulls haben ein sehr gutes Defensivsystem, sie stehen sehr kompakt und diszipliniert und sind taktisch immer top eingestellt. Auch sie haben zwei überragende Torhüter und vorne wie hinten viele Ausnahmespieler, die immer brandgefährlich sind.

Die Eisbären stehen zum zweiten Mal seit ihrem Wiederaufstieg in den DEL-2-Play-offs. Beim ersten Mal stand am Ende der Titel – denkst du da zur Zeit manchmal daran?
Neffin: Ich denke da generell sehr gerne daran (lacht). Aber das ist die Vergangenheit und für mich ist das eine komplett neue Situation, weil ich dieses Mal als Starter reingehe. Das ist für mich natürlich etwas ganz Anderes.

Text: Jan-Mirco Linse
Fotos: Andreas Nickl

Goalie Jonas Neffin hat mit den Eisbären Regensburg die direkte Play-off-Qualifikation geschafft.
Foto: Andreas Nickl

Seit Wochen in überragender Form: Torhüter Jonas Neffin.
Foto: Andreas Nickl